Zu viel Gleichheit. Keine Wirkung.
Keine Gleichheit. Kein Frieden.
Zu viel Gleichheit. Keine Wirkung.
Wir leben in einer Zeit wachsender ökonomischer Ungleichheit – Vermögen und Chancen konzentrieren sich. Paradox: Unsere Arbeit wird gleichzeitig immer gleicher. Prozesse, Tools, Briefings, sogar unsere Decks ähneln sich bis zur Verwechselbarkeit. Ausgerechnet in einer Branche, die von Originalität lebt.
Als ich vor etwa 15 Jahren mehr zufällig als geplant bei TBWA\Worldwide in Berlin landete, hatte ich das Glück, mit Ulrich Proeschel, Michael Zorn, Stefan Schmidt und Moritz Kiechle vier Mentoren zu finden. Sie haben mir gezeigt, wie unterschiedlich Agenturmodelle wirken können – und wie sehr Identität aus Unterschieden entsteht. Heute sehe ich davon leider immer weniger.
Also: How the f.. did we end up here?
🫸 Standardisierte Einkaufsprozesse behandeln Ideen und Prozesse wie Schrauben: Glaubt ihr wirklich so die richtigen Partner*innen für eure Marketingaufgaben zu finden?
🫸 Gleichmachen der Networks: Eine E-Mail-Adresse für alle Marken im Konzernformat ersetzt Haltung, Handschrift und Mut. Wer beruft sich denn bitte heute noch auf Jean-Marie Dru, Jay Chiat oder Lee Clow? Wer braucht schon eine pointierte Schule, wenn Copy-Paste reicht? Nein, wenn Copy-Paste erwartet wird!
🫸 Massenentlassungen und das Aus für einzigartige Agentur- und Produktionsmodelle schwächen die Vielfalt unserer Arbeiten. Statt „Wir machen das auf unsere Art“ heißt es überall: „Wir können das auch.“ Wir müssen unbedingt die Vielfalt erhalten.
🫸 Optimierung ohne Ende und Reflexion: Wir analysieren, testen und glätten, bis nichts mehr stört, rennen Vanity KPIs hinterher. Alles irgendwie „ganz nett“.
😶🌫️ Wenn alles gleich gemacht wird, wirkt nichts.
Weder Identitätsstiftend nach innen - noch effektiv nach außen.
Gleichzeitig wächst außerhalb unserer Bubble eine ungleicher werdende Gesellschaft. Die größte Bedrohung ist nicht der Widerspruch, sondern die Nutzlosigkeit des einzelnen – das Gefühl, nicht gebraucht zu werden. Und so frisst die wachsende Bedeutungslosigkeit die Gemeinschaft. Die sozialen Folgen sehen wir bereits, auch hierzulande.
„Friede dem Wellblech. Krieg den Palästen."
Was draußen gilt, gilt auch drinnen: Ohne Gerechtigkeit keine Gemeinschaft. Ohne Differenz keine Wirkung.
Vielfalt und soziales Handeln ist kein moralisches Feigenblatt, sondern ökonomischer Antrieb der allen zu gute kommt, nicht nur einigen wenigen. Märkte belohnen Differenz – Menschen erinnern sich an Besonderes. Wenn wir alles glatt schleifen, verlieren wir erst die Ecken, dann die Kanten – und am Ende die Bedeutung.
😱 Es liegt an uns – ob in der Branche oder in der Gesellschaft: Wir müssen Unterschiede schützen, Haltung zeigen und Vielfalt fördern. Nicht aufgrund von Ideologien, sondern weil es sich rechnet.
[BILD] Die Box stand bei Ulrich im Berliner Büro und hat mich immer fasziniert. Sie erinnert mich immer an eigenverantwortliches handeln. Können wir alle gebrauchen.