Die Abhängigkeit von großen Technologieunternehmen und ihren KI-Tools.

Angestoßen durch dein Interview mit Hito Steyerl aus dem April 2023 lässt mich ein Thema nicht los:

„They (Ai Services) are onboarding tools into these huge cloud infrastructures that companies like Microsoft are now rolling out, backed by these large-scale computing facilities like Azure, for example. Companies try to establish some kind of quasi-monopoly over these services and try to draft people to basically buy into their services or become dependent on them. That’s the stage we’re at. The renderings are basically the sprinklings over the cake of technological dependency.“

Und Thema kommt mir in der aktuellen KI Diskussion viel zu kurz: Die Abhängigkeit von großen Technologieunternehmen und ihren KI-Tools.

tl;dr: Die zunehmende Abhängigkeit von großen Technologieunternehmen und ihren KI-Tools ist für dein und mein Unternehmen ein zweischneidiges Schwert. Privat natürlich ebenso. Ich hab mich mal für ein Osram Lightify Smart Home Licht Setup entschieden. Super Idee. Nicht.

Zwar können diese Tools zahlreiche Vorteile bieten oder sogar meine komplette Wertschöpfungskette disrupten. Kunden*innen senden uns mittlerweile Briefings in denen schon die ChatGPT Antworten auf die Aufgabe stehen. Mit der Bitte: „Davon wollen wir nichts von euch hören in der Präsentation, das können wir auch selbst und dafür bezahlen wir euch nicht.“

Also im Idealfall sorgt es z. B. eine höhere Effizienz und Produktivität, doch der Einsatz ist mit erheblichen Risiken und Folgen verbunden. Um diese Risiken zu mindern, sollten wir unsere KI-Tools diversifizieren, in Mitarbeiter*innenschulungen investieren und ein Gleichgewicht zwischen manuellen und KI-gestützten Aufgaben aufrechterhalten. Auf diese Weise können wir die Vorteile der KI weiterhin nutzen und gleichzeitig „at the speed of culture“ in der sich verändernden technologischen Landschaft widerstandsfähig und anpassungsfähig bleiben.

Der letzte schaltet den Server ab. Oder der Server eben deine Firma.


Wenn dir langweilig ist, hier das lange Gequassel:

In der heutigen Technologielandschaft verlassen wir uns mehr und mehr auf die von großen Technologieunternehmen entwickelten KI Tools, um Effizienz und Produktivität zu steigern und sich einen Wettbewerbsvorteil zu verschaffen. Bzw. um überhaupt mit dem Markt mitzuhalten. Bei uns sind das häufig Mood Bilder die jetzt von Textern in Midjourney entstehen anstatt von Styleframe Artists, Long Copy Varianten mithilfe von jasper.ai oder eben ausformulierte Emails aus ChatGPT anstatt aus meinem Kopf.

Während diese Tools eine breite Palette von Vorteilen bieten, wächst doch auch die Besorgnis über die Abhängigkeit von Big-Tech (google, Microsoft, …) und die möglichen Folgen, wenn der Zugang zu ihren KI-Tools plötzlich verloren geht oder sich erheblich verteuert. Also lasst uns doch kurz über Risiken, die mit dieser Abhängigkeit verbunden sind reden. Und vor allem über die möglichen Folgen, wenn wir und auch dein Unternehmen ohne die KI-Tools dastehen und man sich überlegt "wie zum Teufel ging das nochmal ohne?"


Abhängigkeit von KI-Tools: Riskante Sache

Steigende Lizenzierungskosten: Da große Technologieunternehmen den KI-Markt wohl dominieren, werden, können sie beschließen, die Lizenzgebühren zu erhöhen oder ihre Preisstrukturen zu ändern, wodurch es für uns teurer wird, ihre Tools weiterhin zu nutzen. Apple hat gerade den Prozess gegen EPIC gewonnen und darf weiterhin 30% an allen App Store umsetzen einbehalten.

Was passiert denn wenn deine Accounting Software plötzlich 3,5 Prozent Umsatzbeteiligung deiner neuen KI-Rechnungssoftware will? Wie schnell wärst du aktuell den Serviceprovider zu wechseln?

Übermäßiges Vertrauen in KI-Tools: Wenn wir zu sehr von KI-Tools abhängig werden, besteht das Risiko, dass unser Team die Fähigkeit verliert, Aufgaben manuell oder ohne die Unterstützung von KI auszuführen. Langfristig kann sich dies negativ auf die Fähigkeit eines Unternehmens auswirken, innovativ zu sein und sich an veränderte Marktbedingungen anzupassen. Frag einen „Full Stack Developer“ mal, dir eine Website ohne Frameworks aufzusetzen, nur mit Hilfe eines Text-Editors.

Verlust des Zugangs zu KI-Tools: Es besteht immer das Risiko, dass KI-Tools aufgrund von technischen Problemen, Rechtsstreitigkeiten oder der abrupten Einstellung von Dienstleistungen durch den Anbieter nicht mehr verfügbar sind. Was machst du dann?

Wenn deine Company ein bestimmtes KI-Tool vollständig in die Abläufe integriert hat, kann das sehr weh tun. Der plötzliche Verlust des Zugriffs ist mehr als „störend“ sondern tut richtig weh: verminderter Effizienz, Verzögerungen bei der Leistungserbringung … Umsatzeinbußen & verlorenes Vertrauen sind vorprogrammiert.


Folgen unserer neuen KI-Abhängigkeit

Geringere Anpassungsfähigkeit: Wenn wir stark auf KI-Tools angewiesen ist und den Zugang zu ihnen verlieren, wird es schwer sein, sich an die plötzliche Veränderung anzupassen. Dies wird zu geringer Freiheit und Flexibilität führen. Gleichbedeutend mit: das wird Unmengen an Ressourcen verschlingen.

Verlust des Wettbewerbsvorteils: Wenn ein Unternehmen ein KI-Tool aufgrund erhöhter Kosten oder mangelnder Verfügbarkeit nicht weiter nutzen kann, müssen wir auf andere weniger effiziente Methoden zurückgreifen. So fallen wir hinter unsere Konkurrenten*innen zurück, die noch in der Lage sind, die neuesten KI-Tools zu nutzen. Denk mal an die Nike Marathon Schuh Revolution: Nike ZoomX Vaporfly #adaptordie


Verschlechterung der Fähigkeiten der Mitarbeiter*innen: Der übermäßiger Einsatz von KI-Tools wird dazu führen, dass wichtige menschliche Fähigkeiten und Kenntnisse in einem Unternehmen verloren gehen. "Wir war das früher nochmal?" Garantiertes Ergebnis: Rückgang von kritischen Denken, der Problemlösungskompetenz und der Entscheidungsfähigkeit. Agencylife ist kein Manufaktorbetrieb. Und auch (vor allem?) dem Accounting steht eigene Reflekion gut. Ideen & Haltung sind eben auch in der Zeiten von Prompts unbezahlbar.


Conclusion: Don't sell your soul and company to big tech. And don't forget to think on your own.

Kthxbye



Interview von Hito: https://news.artnet.com/art-world/these-renderings-do-not-relate-to-reality-hito-steyerl-on-the-ideologies-embedded-in-a-i-image-generators-2264692

Apple vs Epic: https://www.cnbc.com/2023/04/24/apple-declares-victory-after-decision-reached-in-epic-games-appeal-.html

VaporFly: https://www.nytimes.com/interactive/2019/12/13/upshot/nike-vaporfly-next-percent-shoe-estimates.html

Osram: https://borncity.com/win/2021/08/27/osram-lightify-cloud-dienst-wird-zum-31-8-2021-eingestellt-funktionen-gehen-verloren/


Imageprompt (stablediffusion 2.1):

"an image of people fighting against a futuristic machine. The machine should have some flickering lights, multiple technological arms with different retro futuristic tools attached. The diverse group of at least 7 people are covered in haze. It should look like it was shot in the 60ies. Photo Grain, Monochrome, B&W"

Nils Hartmann