Alle belügen uns wenn es um die Effektivität von Kanälen geht!

Wirksamkeit von Werbung – oder: Können wir bitte mal ehrlich (zu uns selbst) sein?

Alle reden über Performance. Über Kanäle. Über den einen viralen Clip. Und trotzdem: Wenn’s um echte Wirksamkeit geht – also harte, belastbare Erkenntnisse – wird’s auf einmal verdammt still.

Jeder weiß es (wisst ihr das wirklich?). Keiner sagt was. Echt jetzt?

Entertainment oder Wirkung?

Es ist faszinierend: Für die „lustigste TikTok-Idee“ ist immer Budget und Begeisterung da. Aber sobald es um Wirkungsmessung geht – echte Daten, fundierte Analysen – ist das Interesse plötzlich wie weggeblasen. Wozu machen wir das hier eigentlich? Nur für den Lacher im nächsten Weekly? Oder soll Werbung tatsächlich noch etwas bewirken? Wann ist ein Lead ein Lead?

Butter bei die Fische (oder: veganes Sojaprotein auf den Tisch)

Wir leben in einem Kosmos widersprüchlicher Wahrheiten:


  • Thomas Koch sagt: „Deutschland verwendet nur 2% ihrer gesamten Mediennutzungszeit auf Social Media“. Warum wird überhaupt dafür so viel Geld investiert?

  • Niclas Müller sagt „65 % der Gen Z holen sich ihre News aus Social-Videos.“

  • Jan Nicolas Koenig sagt „ TV-Spots werden heute zwischen YouTube-Videos geschaut und nun auch vermehrt beim Streaming, während ich Squid Games 2 binge.“

  • Dr. Augustine Fou sagt: „Bot traffic is at least half of the internet“

  • YouGov hat Zahlen – aber keine Wahrheit für alle.


Und Mediaagenturen? Nun ja… sagen häufig das, was zum aktuellen Inventar passt. Das Gefühl, das dabei entsteht: Entweder erzählt hier jemand Quatsch – oder wir wissen es einfach alle nicht.


Spoiler: Es gibt keine Wahrheit für alle

Was für die eine Marke funktioniert, kann für die andere irrelevant sein. TV kann funktionieren. Muss aber nicht. Radio ist underrated. (#meineMeinung) Und vielleicht liegt der wahre Erfolg gar nicht in tatsächlicher Effektivität, sondern wie wir KPIs auslegen?

Was ich wirklich sagen will:

Danke für Meinungen. Danke für die Daten. Aber vor allem: Danke, wenn daraus echte Diskussionen entstehen – keine Schulterklopfer, kein "Yo Bro", keine nostalgischen Anekdoten über Kappa-Boards, nur fünf Privatsender und Cola-Kampagnen aus '97.

Lasst uns datadriven sein – aber kritisch.

Wir vergleichen KPIs, Zielgruppen, Touchpoints – die oft so weit auseinander liegen wie Brandenburg und Berlin in der Wahrnehmung.


  • Nur weil META selbst immer mehr Print bucht – ist META deshalb keine sinnvolle Plattform mehr?

  • Nur weil Street Teams von UBER EATS alle U-Bahn Höfe in Berlin übernommen haben – sollten wir sie wirklich reaktivieren? (ein UBER EATS Gutschein bekommt man mittlerweile leichter als Heroin #justsaying)

  • Nur weil sich gefühlt alle gefühlt GÖNERGYN, sollten wir ... Nein.


Bevor das jemand falsch versteht: Alle Genannten hier sind kluge Köpfe. Keine „Schlangenöl-Verkäufer“. Es sind genau die Impulse die wir brauchen. Danke 🫡

Aber: Damit Diskussionen weiterbringen, müssen sie auch wehtun dürfen.

Also:

👉 Lasst uns diskutieren.

👉 Lasst uns Wirksamkeit beweisen.

👉 Lasst uns ehrlicher über Wirkung sprechen.

👉 Lasst uns verschiedene Realitäten von Zielgruppen und Marken anerkennen.


Ein paar Studien der Woche dir mir begegnet sind, die bei mir diesen textlichen Auswurf überhaupt erst ausgelöst haben:

https://reutersinstitute.politics.ox.ac.uk/sites/default/files/2025-06/Digital_News-Report_2025.pdf

https://www.ard-zdf-medienstudie.de/files/Download-Archiv/Medienstudie_2024/MP_28_2024_ARD_ZDF-Medienstudie_2024._Zahl_der_Social-Media-Nutzenden_steigt_auf_60_Prozent.pdf

https://indd.adobe.com/view/089871b3-9b13-426b-b542-c527916122ed?allowFullscreen=true

https://vau.net/wp-content/uploads/2025/02/VAUNET-Publikation_Mediennutzungsanalyse-2024.pdf


Personal note:

Ich selbst halte OOH, Radio & TV (mit Event Character) für stark unterschätzt. Auch für junge Zielgruppen. Und ich halte andererseits die Zielgruppen meist für deutlich zu jung gedacht & gebucht. Also let's go! Gegen unreflektiertes Folgen von Studien und die großen Publishing Plattformen als Hauptmediakanäle. Wir glauben ja auch nicht alles was wir in den Nachrichten lesen & hören (die wir mangels Media Investment selbst zerstört haben). Oder machen wir das?

Nils Hartmann