BOOKLET
Ein großer Teil der Informationen die uns täglich begegnen sind, insofern sie für uns überhaupt noch zu dechiffrieren sind, sind beschnitten, modifiziert — und im schlechtesten Fall sogar — zensiert. Eine der häufigsten Gründe für Zensur stellt die Angst dar. Angst entsteht an dem Ort, an dem Unwissenheit herrscht. Ganz gleich ob es sich um den Freiraum unter dem Bett eines Kindes handelt oder um den Freiraum der in einem Raum entsteht, der sich vermeintlich der Kontrolle entzieht. Angst vor dem Verlust von Einfluss, dem Verlust von Vermögen, kurz: dem Verlust von Macht.
Auch in die scheinbar noch freien Territorien des Alltages, die zu einem großen Teil noch ohne von Medienkonzernen gesteuerte Gatekeeper auskommen, dringt die Zensur immer weiter vor. Wir müssen gar nicht erst in die „Schurkenstaaten“ gehen um Zensur zu finden. Auch in der vermeintlichen freien „Westlichen Welt“ ist sie längst Teil der Realität — unserer Realität. Staaten wie Finnland oder Australien arbeiten seit langem mit Sperrlisten, auf denen neben Webseiten mit wirklich gefährlichen Inhalten auch gern mal eine von Abtreibungsgegnern oder der unliebsamen Opposition rutscht. Wer kontrolliert die Kontrolleure?

Das Booklet zur Website www.happysurfing.dingeundsachen.com soll als Kommentar zu Angst als Triebfeder der Zensur im digitalen Leben dienen.
Es entstand 2010 in der klassehickmann/UdK zu dem Semesterprojekt "Angst", weitgehend Analog.
So wurden die analog geschossenen wie entwickelten Bilder über einen Fotokopierer "gescannt", wie auch die Texte zunächst ausgedruckt und nachträglich wieder am PC zusammengefügt. Die Farbflächen wurden in einem weiteren Druckvorgang nachträglich hinzugefügt.
Verwendet wurde nach Vorbild der Vorgaben der internen Regierungskommunikation der USA, die Courier in 12pt bei 16pt Durchschuss. Als Display-Font diente Frutigers OCR, sie verweist auf den verbindenden Charakter der analogen zur digitalen Welt. Der look&feel sollte einem, von einer Sekretärin schnell zusammengestellten Mappe nachempfunden werden, so wurde auf eine Bindung verzichtet und mit einer Handelsüblichen Metallklammer die einzelnen Seiten zusammengeheftet.

Format: A5 & A6 (Beilage "Da Ende des Internetz),
Materialien: Transparentpapier, Lomografie-Bilder, farbiges sowie reinweißes handelsübliches Standart 80gr Papier.

SITE
Die Website www.happysurfing.dingeundsachen.com unterscheidet sich gänzlich vom look&feel von dem analogen Teil der Arbeit. Die Adressaten der Seite sollen sich in Sicherheit wägen. De Gestaltung folgt dem klassischen "web2.0" Look, um nicht weiter aufzufallen und Misstrauen bei dem Besucher zu erwecken.
Das Skript schreibt durch ein CGI-Skript Inhalte der besuchten Website um, und zensiert sie somit. Was als zensierungswürdig gilt, ist für den Besucher nicht einsehbar. Werden wirklich nur "gefährliche" Inhalte zensiert oder sind doch Informationen verloren die für mich persönlich wichtig sind?
Für den Besucher ist nicht ersichtlich das die Seite ihm nicht helfen soll — sondern zum nachdenken anregen. Erst bei Suche durch die weiteren Informationen wird ihm dies klar, insofern er überhaupt danach sucht.
Der Besucher soll sein eignes Medienrezeptionsverhalten hinterfragen, was lese ich täglich? Woher stammen die Informationen?

Technik: XHTML/CSS, Java-Script, CGI, php, Mysql, Pearl
Skript wurde bereitgestellt von Nick Donaldson, psyclops.com